2017, ein Weinjahr zum Vergessen

2017, ein Weinjahr zum Vergessen

Etwa so, oder ähnlich, könnten die vier Freunde von der Domaine HERR das Weinjahr 2017 beschreiben. Nach einem (zu) trockenem Winter haben wir uns ende Februar aufgemacht um unsere Rebstöcke, nach ihrem verdienten Winterschlaf, mit dem jährlichen Rebschnitt in Form für das kommende Rebenjahr zu bringen.

Die Temperaturen ab Mitte März waren Frühlingshaft angenehm und steigerten sich bis Anfang April eher ungewöhnlich und sommerlich teilweise bis über 24° Celsius. Dies führte dazu, dass die Knospen der geschnittenen Strecker sehr früh mit dem Austrieb (Aufbrechen der Knospen) begannen. Eigentlich sollte sich der Winzer darüber freuen, denn das bedeutet ca. zwei bis drei Wochen Vorsprung bei der Vegetation. Dieser Vegetationsvorsprung würde sich dann im Herbst positiv auf die Qualität der Trauben auswirken. Immer vorausgesetzt die Vegetationszyklen bis zur Ernte verlaufen mindestens durchschnittlich.

Aber dann kam der grosse Schock für uns Winzer welcher fatale Folgen für unseren Weinberg hatte. Ab dem 20. April hatte es für zwei Nächte einen Kälteeinbruch gegeben wie es ihn in unserer Region seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. Bis zu – 6° Grad Celsius fiel das Thermometer in diesen beiden Nächten und zerstörte dadurch praktisch alle diese jungen Triebe die bereits zwei, drei Blätter entfaltet hatten. Der erste gemeinsame Rundgang im Rebberg nach diesem Spätfrost bestätigten unser schlimmsten Befürchtungen. Beim Riesling-Silvaner mussten wir mit einem Ausfall von fast 90 % rechnen und bei unseren erst zweijährigen Jungreben dem Cabernet-Dorsa praktisch mit einem Totalausfall. Mit unterschiedlichen Mitteln versuchten einige Winzer sich gegen die Katastrophe zu stemmen. Mit Folien, Paraffin-Fackeln, feine Bewässerungen der Knospen etc. etc. wurde versucht die Situation unter Kontrolle zu kriegen – vergeblich. Die Kälte war bis auf den Boden durchgeschichtet und die Triebe auch bis über einem Meter Höhe sind erfroren.

Wer jetzt denkt, die Arbeit im Berg ist für dieses Jahr erledigt, weil es ja eh keinen Ertrag gibt täuscht sich. Nach dem massiven Kälteeinbruch befinden die Rebstöcke ca. drei Wochen in einem sogenannten «Schockzustand» d.h. die Rebe stellt ihren Wachstumszyklus ein, analog im Winter. Nach dieser Zeit erholt sich die Rebe ganz langsam, beginnt wieder zu arbeiten und bildet in dieser Zeit «Nebenaugen». Wenn diese Nebenaugen zum Austreiben kommen gilt es diese mit vollster Aufmerksamkeit zu hegen und zu pflegen. Diese neuen Knospen bedeuten nämlich für den Rebstock (und den Winzer) die Zukunft, um im kommenden Jahr wieder einen vernünftigen Ertrag zu erhalten. Will heissen, sie müssen auch gegen die verschiedensten Pilzkrankheiten, Schädlinge etc. geschützt und entsprechend behandelt werden. Das Fazit hiess also; Trotz null Ertrag haben wir einen Aufwand von ca. 60% eines normalen Jahres im Berg betrieben umso die Zukunft unserer Rebstöcke zu sichern.

Nach einer Phase der langsamen Regeneration unserer Neuanpflanzung hat sich unsere Befürchtung nicht bewahrheitet, dass wir beim Cabernet-Dorsa einen Totalausfall haben und eine Neuanpflanzung wiederholt werden muss. Der Schaden, also die Jungreben die total eingegangen sind und bei denen nicht der kleinste Austrieb zu sehen war, beträgt ca. 10%. Diese werden im nächsten Frühling ersetzt und neu eingepflanzt. Wir sind zwar ein Jahr zurückgeworfen worden aber immer noch überzeugt, dass wir mittelfristig ein sehr gutes Produkt kredenzen werden.

Roli Scacchi
Die Natur ist unerbittlich und unveränderlich, und es ist ihr gleichgültig, ob die verborgenen Gründe und Arten ihres Handelns dem Menschen verständlich sind oder nicht.

Galileo Galilei